Letzte Änderungen: 16.09.2012   · parastep · italien · gardasee 2012-09 ·

Sicherheitstraining am Gardasee im September 2012
( F11 für Voll/Normalbild, Diaschau startet bei Klick auf eines der Bilder, Steuerung mit Maus oder Cursortasten )

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Im Juni hab ich mir nun den Mistral6 von Swing geholt und war auch schon eine Woche in Slowenien damit unterwegs, bei recht unterschiedlichen Bedingungen. Allerdings war ich dort drauf bedacht, den Schirm erstmal kennenzulernen. Er ist als DHV 1-2er Sicherheitshighend eingestuft, ich würde ihn jetzt nach dem Training aber eher als einen 2er Schirm betrachten. Die Einstufung EN-B trifft es da wohl besser. Da es mit diesem Schirm in den letzten zwei Jahren einige schwere Unfälle gab, wollte ich vor den ersten thermischen und längeren Flügen unbedingt ein Sicherheitstraining machen. Im September gings deshalb mit Airsthetik und Ralph Kahr-Reiter an den Gardasee.

Mein nüvi sagte mir 8Std Fahrzeit vorraus und die hab ich auch gut geschafft, trotz 1Std Stau in Italien. Dort war ein LKW auf einen anderen aufgefahren. Leider ging das für den Fahrer nicht gut aus, wie ich gerade lesen musste bei der Bozener Feuerwehr :(
Mautgebühren betrugen am Brenner 8Euro und für die italienische Autobahn vom Brenner bis Rovereto Süd 12.20EUR. Dazu noch 10Tages Vignette Österreich für 8EUR.
Es wird schon langsam dunkel, als ich bei Riva an den Gardasee komme. In Malcesine nehme erstmal mein gebuchtes Hotelzimmer in Beschlag. Zum Glück ist es nicht zur Strasse raus. Ich gehe noch was essen in einer der vielen Pizzerias und vertrete mir dann noch in der hübschen Altstadt die Beine. Überall Kopfsteinpflaster, enge Gassen, alte Gemäuer ... Malcesine ist ein altes Fischerdorf, welches um 500 nach Christus mit einer kleinen Burg durch die Langobarden erstmals befestigt wurde. Habs leider nicht geschafft, mal in die Burg reinzuschauen in den paar Tagen.

Am nächsten Tag kann ich ausschlafen, Treffpunkt ist erst 12Uhr im Hotel Ideal. Wir sind 13Männer und eine Frau im Kurs und nach einer kurzen Einweisung gehts zum Ausrüstungs Check in den Garten. Vor allem Speed, Retter und Speedrückholer werden geprüft und ggf auch ergänzt. Dann besprechen wir die zu übenden Flugfiguren wie Rollen, Nicken, Wingover, einseitige und Front Klapper, sowie Fullstall, Spirale und den SAT (Spirale rückwärts :-)
Als die Köpfe zu rauchen anfangen machen wir erstmal Schluss und schauen uns den Landeplatz an. Da das Wetter nicht passt, zuviele Wolken am Startplatz, gibts leider keinen Flug mehr heute. Abends gehts gemeinsam in eine der vielen Pizzerias. Ein erstes kennenlernen der Mitflieger. Von Anfängern bis längjährigen Streckenpiloten und Akroeinsteiger ist alles vertreten.

Zweiter Tag. Wir treffen uns wieder im Hotel zur Materialausgabe (Funk und Schwimmwesten). Da wir am Vortag schon die Liftkarten geholt hatten, mussten wir uns um 10Uhr nicht an der bis auf die Strasse reichenden Schlange an der Liftkasse anstellen, sondern konnten direkt zur Lift Warteschlange durchgehen. Um 10.30Uhr fährt aber eine Gondel für die Mountainbiker, darum warten wir doch noch eine knappe Stunde am Lift, bis es schliesslich hoch geht.

Das Panorama auf dem Monte Baldo ist toll. Man ist knapp 1600m über dem See und der ganze Bergrücken nördlich der Liftstation ist quasi startbares Gelände. Sowas hab ich auch noch nicht gesehen. Man kann Richtung West und Ost, sowie an der nördlichen Spitze des Bergrückens auch nach Norden starten. Den Landeplatz sollte man vorher unbedingt gesehen haben, da er 'nur' 100m lang und ca 15m breit ist. Da meist guter Wind ansteht, soll das landen aber weniger problematisch sein, als man erstmal vermuten könnte. Man darf sich bei Starkwind nur nicht hinter den Landeplatz versetzen lassen, denn dann kann die Höhe um zum Landeplatz zu kommen durchaus knapp werden, sonst passiert sowas hier.

Los geht das Training mit Rollen, Nicken bis zum Frontklapper und einseitigen Klappern. Dabei wird versucht, den Schirm fluguntauglich zu machen. Man simuliert damit, das bei einem Ein- oder Austritt aus z.B. einer Thermik oder einem starken Auf- bzw Abwind die Scherwinde den Schirm einklappen lassen können. Reagiert man in solchen Situationen falsch oder zu langsam, ist es möglich, das der Flugzustand instabil wird und es zu Verhängern, zum eintwisten oder gar zum Spiralsturz kommen kann. Die Schirme sind mtlw. zwar so konstruiert, das solche Ereignisse eher selten eintreten. Damit man in so einer Situation aber weiß, wie sich der Schirm verhalten kann, wird im Rahmen eines Sicherheitstrainings geübt, solche Flugzustände zu meistern. Man kann das durchaus mit einem Fahrsicherheitstraining vergleichen.

Einen einseitigen Klapper provoziert man bspw. in dem man die Tragegurte auf einer Seite heftig nach unten reißt. Mein Mistral6 fliegt aber fast unbeeindruck weiter und die etwas später einsetzende Drehbewegung bekomme ich recht einfach durch Gewichtsverlagerung und gegensteuern kontrolliert. Dann gehts ans Nicken. Dazu werden die Bremsen rhythmisch gezogen und der Schirm nickt nach vorne und hinten. Nach viermal nicken kassiere ich einen Frontklapper. Der Schirm ist dabei so weit nach vorne geschossen, das die Vorderseite nach unten klappt, da die Strömung abreißt.

Ich löse die Bremsen vollständig und warte, das der Schirm wieder flugfähig wird. B-Stall und Fullstall sind ebenfalls kein Problem. Der Anfangsdruck beim einleiten des B-Stall würde ich als vergleichbar mit dem des Mistral4 bezeichnen. Ralph meint, ich soll die Bremsen nicht zu weit runterziehen, damit der Schirm nicht deformiert. Das funktioniert auch hervorragend. Wenn der Schirm beim B-Stall deformiert, kann es leichter zu Verhängern der Leinen kommen.

Auch der Fullstall klappt mit dem Schirm wie vom Mistral4 gewohnt. Nachdem der Schirm über mir ist, fülle ich etwas vor und er bleibt relativ ruhig über mir. Das Ausleiten klappt auch ohne Probleme. Ein leichtes vorschiessen fang ich mit kräftigem Bremszug ab. Das Klapperprogramm: einseitig, einseitig gehalten, einseitig gehalten und leicht wegdrehen lassen absolviert der Schirm alles ohne Probleme oder im angegebenen Rahmen (45° bzw 90° wegdrehen). Auf all diese Manöver reagiert der Schirm entsprechend der Sicherheitsklasse DHV 1-2.

Nach zwei erfolgreichen Fullstalls gehts an den SAT. Der SAT ist eine spezielle Form der Spirale, bei der der Pilot rückwärts hinter dem Schirm herfliegt. Der Drehpunkt der Spirale verlagert sich von vor dem Schirm nun zwischen Schirm und Pilot. Darum ist das Manöver auch weniger belastend, als die Spirale. Wenn man denn die Einleitung hinbekommen und überstanden hat :-) Allerdings sind die Sinkwerte auch geringer.

Als erstes fliege ich ein paar Spiralen, damit Ralph sieht, ob ich sie beherrschen kann. Bei der ersten Spirale ziehe ich recht kräftig und so pfeift mir bald der Wind heftigst um die Ohren. Da ich aus Angst vor Wasserung kein Vario dabei habe, kann ich nicht genau sagen, wie schnell es abwärts ging. Aber die Sinkgeschwindigkeit dürfte bei der an die 15m/s gereicht haben, wenn ich das mit den Belastungen aus früheren Spiralen mit dem Mistral4 vergleiche. Die erste Steilspirale überrascht mich, denn schon nach knappen 1 1/2Umdrehung legt sich der Schirm auf die Nase und es fängt an wild zu rotieren.

Als ich nur die Bremse der Innenseite langsam frei gebe passiert nicht all zu viel. Ich halte sie auf Druck und gebe nun immer mehr Aussenbremse dazu. Langsam geht der Schirm aus der Spirale raus, aber ich bin immer noch etwas konsterniert angesichts der Schnelligkeit, mit der der Schirm abgekippt ist und dann gleich mit Vollgas rotiert hat. Kann mir nun gut vorstellen, wie heftig das für jemanden ist, der sowas noch garnicht geflogen ist. Darum hier auch mein dringender Rat an alle, die von einem 1er oder älterem 1-2er auf einen Mistral6 oder ähnliche Schirme umsteigen: macht ein Sicherheitstraining, in dem ihr die Spirale erfliegt und kontrollieren lernt.

Nun taste ich mich an den Punkt heran, an dem der Schirm in der Spirale auf die Nase kippen will, sprich in die Steilspirale fallen will. Nach einigen Spiralein- und Ausleitungen teste ich dann den SAT. Dazu nimmt man die Gurte der Aussenseite an den Leinenschlössern und drückt sie weit von sich. Dadurch erschwert man eventuelles Eintwisten und man hat auch gleich die Gewichtsverlagerung zur Innenseite. Nun leitet man die Spirale ein. Ich ziehe etwas zu schnell und heftig und höre kurz, wie das Segel auf der Kurveninnenseite anfängt zu flattern. Dann kippe ich auf der Kurveninnenseite nach hinten weg. Ich habe den Schirm abgerissen. Sofort kommt Ralphs Kommando: 'Arme hoch!' Ich nehme beide Hände nach oben, der Schirm schiesst über mir nach vorne und ich falle hinterher und am Segel vorbei. Der Schirm pendelt hinter mich und nimmt wieder Fahrt auf. Als er vorschiessen will, fange ich ihn mit einem kräftigen Bremszug auf. Gut pariert, meint Ralph :)

Die Gefahr ins Segel zu fallen oder in einen Spiralsturz ist bei der SAT Einleitung nicht klein. Darum ist es wichtig, den Punkt zu erfliegen, wenn der Schirm auf die Nase kippen will. Zieht man zu früh oder zu heftig, dann reißt die Strömung an der Kurveninnenseite ab und der Schirm geht einseitig negativ. Zieht man zu spät, ist das nicht ganz so schlimm, dann landet man in einer Steilspirale und evt. auch in einem Spiralsturz, je nach dem, wie stark man die Bremse gezogen hat.
Florian meint, es braucht schon einige Flüge, bis man den SAT sicher beherrscht. Beim zweiten Versuch klappt es dann. Die Beschleunigung in der SAT Einleitungsphase ist heftigst. Ich las im Internet was von 2-4g. Ich werde ins Gurtzeug gepresst, das ich denke, gleich gehen die Lichter aus. Doch nach einer kurzen Phase läßt die Belastung wieder nach. Je weiter ich nun die Innenbremse ziehe, desto ruhiger und langsamer rotiert der Schirm. Aber der See und das Land rasen immer noch in einer irrwitzigen Geschwindigkeit an mir vorbei.

Nach einigen Rotationen lasse ich die Innenbremse nach, ziehe langsam die Aussenbremse dazu und der Schirm kippt in die Spirale. Ich bin immer noch perplex und so dauert die Ausleitung dann ein, zwei Runden länger als geplant. Aber ich hab immer noch Höhe um Wingover und ein paar Klapper zu fliegen. Ist schon toll, das man am Gardasee mit rund 1300m überm See ankommt. Trotzdem reichen die 4Tage leider nicht für mehr und so kann ich insgesamt 'nur' 3 SATs fliegen. Das schreit also nach einem weiteren Training :-) Alles in allem wars eine schöne Woche mit sehr netten Leuten und sehr guten Instruktoren. Bin mir sicher, das das nicht das letzte Training bei Airsthetik war.

Die Gegend am Gardasee tut natürlich noch ein übriges dazu. Man kann hier auch Mountainbiken, es gibt sehr viele Wanderwege, das Essen ist lecker. Campingplätze hats nicht so viele, darum rechtzeitig reservieren. Wer Partner/Kinder mitnimmt, der sollte drauf achten, ob ein Strand zum Hotel gehört. Die öffentlichen Strände in Malcesine sind recht klein und schnell belegt. Darüber hinaus gibt es dann nur noch steinige Möglichkeiten, ins Wasser zu kommen.
In Malcesine gibt es viele kleinere Pizzerien und Eiscafes. Die Preise sind noch halbwegs erträglich, wenn man aber direkt am Hafen oder am See essen will, dann wird es schon teurer. Mit Google Streetview kann man einen Teil der Altstadt besichtigen. Die ganz engen Gassen sind allerdings nicht drauf.


Quellen : ( JustAcro und Paragliding Davos 'Acro Figuren' )
Achja, die Bezeichnung SAT kommt übrigens vom Safety Acro Team. Dessen Gründer, Raul Rodrigez entdeckte diese Flugfigur 1999.



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( F11 für Voll/Normalbild, Diaschau startet bei Klick auf eines der Bilder, Steuerung mit Maus oder Cursortasten )
Wetter unterwegs sieht nicht so toll aus selbst in Italien noch bedeckt kurz vor Bozen 1Std. Stau . am Abend kleiner Spaziergang durch Malcesine Blick auf den Gardasee P1100299_stitch P1100304 am Yachthafen nächster morgen, der übliche Stau auf der Hauptstrasse als erstes Einweisung im Garten vom Hotel Ideal unsere Trainer Ralph und Florian Landeplatzbesichtigung ... ganzschön klein am ersten Tag gabs leider keinen Flug mehr Abends gemeinsames essen mit anschliessender Suche nach dem Heimweg 9Uhr kurze Einweisung, dann gings zum Lift zum Glück hatten wir schon Liftkarten der Monte Baldo Lift P1050997 am Landeplatz ist noch starker Wind, darum ... ... Parawaiting der Startplatz ist riesig gleich gehts los Florian gibt Starthilfe Malcesine von oben Malcesine von oben sieht immer noch sehr klein aus aufpassen bei Starkwind gut gelandet nicken bis zum Frontstall und erste Wingover geprobt Ralph beim Einweisen s Gerdschi (von den www.dachsteinguides.com) beim filmen unsere Wasserrettung P1060031 nach zwei Flügen gibts Landebier Ralph holt alle runter mal was sinnvolles: Segway für Gehbehinderte Bodenspirale wird am Boden probiert . Abends wieder lecker essen neuer Tag, neues anstehen Blick auf Malcesine Blick vom Monte Baldo in Richtung Osten freilaufende Alpacas sie hatten wohl gerade Auslauf freilaufende Alpacas in freudiger Erwartung des SAT :-) erstmal spiralen ... ... ... ... ging aber gut auf dieses kleine Handtuch muss er runter Ralph gibt aber wieder super Einweisung jetzt wirds komplizierter: ... es könnnen sogar ...  ... drei Schirme ... ... gleichzeitig landen wasserung Schwimmweste hat funktioniert Rettung konnte er nicht mehr werfen ... Landeanflug und wieder gehts hinauf Bergstation Ralph macht Tandem von der Ostseite und dann : ... ... auf den passenden Wind warten erstmal was essen und dann : ... letzter Abflug Blick zum Startplatz über Malcesine Blick Richtung Norden schon bin ich wieder unten die Natur sucht sich ihren Platz eine tolles Training mit Wiederholungsgarantie

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