Letzte Änderungen : 27.03.2002 Diedamskopf April 2001 · parastep.de · österreich ·


Diedamskopf, April 2001
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Berg bei Schoppernau Anfang April ließ ich mich überreden, doch mal in den Bregenzer Wald nach Schoppernau an den Diedamskopf zu fahren. Nach knappen 7 Std. Fahrt bin ich endlich in Schoppernau eingetrudelt. Unterwegs noch ne kleine Begegnung mit einem LKW auf der Autobahn gehabt. Der meinte, er müsse mal eben kurz vor mir rausziehen und meine Bremsen testen. Hat leider nicht ganz gepasst, der Scheinwerfer musste dran glauben bei mir. Werd ich wohl selbst zahlen müssen, da Aussage gegen Aussage.
Die Strasse von Bregenz nach Schoppernau war schon ein wenig abenteuerlich, zumal die LKWs dort auch keine Gnade kennen und voll Speed um die Kurven heizen. Vor Ort erstmal ein Bild gemacht über Start und Landegebiet und ein bischen mit der Dame am Schalter gesprochen. Scheinbar ist eine Fünferkarte für den Lift so für einen Tag das beste. Allerdings zahl man hier Auf- und Abfahrt, nicht wie bei anderen (Tannheim z.B.), wo man als paraglider nur die Auffahrt zahlen muss. Aber dafür gabs ein Infoblatt für Paraglider.
Auf dem Lifteigenen Klo fix umgezogen und dann gings aufwärts. Oben war blauer Himmel und Schnee satt. Über dem Lift ist ein Restaurant mit Freifläche und noch viel weiter oben das Gipfelkreuz, zu dem ich mich auf Anraten von FlyDoc hochquäle. Ist wirklich ne Quälerei im Winter, da es recht steil hinauf geht, so ca. 30-50 Höhenmeter. Blick auf die Bergstation Oben erstmal Aussicht geniessen und ein bischen umschauen. Auf welcher Seite des Funkturms gehe ich am besten raus? Der Wind ist recht kräftig, aber ich denke, das ich mit normalem Start hinauskomme. Aber schon beim auslegen merke ich, das der Wind doch etwas stärker am Schirm zerrt, als geglaubt.
Ich probiere es mal mit rückwärts aufziehen, da aber lange nicht mehr gemacht, pendelt der Schirm erstmal unkontrolliert herum. Nach einigem hin- und her gehts dann vorwärts raus. Und es geht prima. Habs scheinbar doch noch nicht verlernt, trotz zwei Monaten Pause. Ich versuche also ein bischen im Aufwind zu kratzen. Klappt Anfangs recht gut, bis ich mich im Lee versenke. Ich dachte, es herrscht hier oben strammer Westwind und somit hätte ich über dem Grat rechts vom Lift ja eigentlich guten Aufwind haben müssen. Wie ich aber viel später feststelle, kanalisiert sich der Wind vom Tal her direkt zwischen den zwei Bergrücken.
Es geht also konstant abwärts, während die anderen Flieger die später raus sind inzwischen schon oben Kreisen. Hätte vieleicht mal auf die ersten kundigen Flieger warten sollen. Allerdings war noch keiner da, als ich zur Spitze getappt bin.


Bergbahn Diedamskopf
Au-Schoppernau
Andelsbuch
Bezau

Im Landeanflug sieht der Landeplatz dann doch recht klein aus und die Stromleitungen im Süden und Osten scheinen relativ dicht. Aber letztendlich ist doch mehr als ausreichend Platz. Man sollte aber vor dem ersten Flug unbedingt einen Blick auf das Landegelände geworfen haben. Landung klappt prima, besser als erwartet. Ein paar Lupfer habe ich über dem Bach, der Windsack wedelt richtungslos, aber es gibt keinerlei Probleme.
Ich packe zusammen, laufe wieder zum Lift und es geht wieder hinauf. Oben angekommen esse ich erstmal was. Ein Germknödel und eine Apfelschorle und der Magen gibt Ruhe :) Inzwischen sind einige andere Paraglider eingetroffen und legen unterhalb des Lifts aus, einige sind auch schon gestartet und drehen über der Bergstation ihre Kreise. Also fix den Schirm ausgelegt und ab in die Luft. Der Wind ist recht stark geworden, aber nicht zu stark, man kann noch bequem vorwärts raus.

Blick vom unteren Startplatz auf die Bergstation mit Terrasse, am Sendemast ist der obere Startplatz Ich bekomme einige gute Heber und versuche es dann wieder über dem rechten Grat. Und wieder versenke ich mich. Die Analyse hab ich erst am Tagesende gemacht, gibt halt noch viel zu lernen :) Unterhalb des Grates quere ich dann die Schneise in der der Lift läuft und versuche es weiter im Osten des Tales. Aber ich bin schon zu niedrig. Vor mir hats einer geschafft und hat wieder aufgedreht. Allerdings ist er mit mehr Höhe an den Hang gekommen als ich. Ich saufe wiedermal gnadenlos ab und mache auf einem Acker am Ortseingang eine Aussenlandung. Zum Glück ist hier alles gemäht und ich muß hoffentlich nicht den Zorn der Bauern fürchten :)

Nach 20 Minuten Fussmarsch durch den Ort mit den idyllischen Bauernhäusern komme ich wieder am Lift an und will es nochmal wissen. Oben ist der Wind inzwischen einen Tick ruhiger geworden, mittlerweile ist es 15 Uhr, und der Wind beruhigt sich weiter. Der Start klappt problemlos. Ich sehe weit im Tal einige Paraglider, die vorhin auch schon oben hingen, oder zumindest glaube ich, das es sich um die selben handelt.

Diesmal gehe ich gleich nach links parallel zum Ski-Lift und baue auch gut Höhe auf. Ich halte mich recht lange in der Luft, wenn ich auch nicht so recht hinauf komme. Startüberhöhung schaffe ich nicht. Schliesslich wird es mir zu dumm und ich fliege ins Tal. Fliegen im Hangaufwind ist also doch nicht ganz so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe. Dazu kommt natürlich, das ich das Gelände hier überhaupt nicht kenne.
Die Mittelstation der Diedamskopf Bahn, unterhalb ist ein inoffizieller Startplatz
Am Abend dann fahre ich nach Au ins Hotel Alpenrose, welches der FlyDoc mir empfohlen hat. Aber 90 DM die Nacht ist mir zu teuer. Die Wirtin meint, ich solle es mal die Strasse weiter oben probieren, bei den privaten. Und ich finde auch eine nette Familie, bei der ich Quartier bekomme. Der Hausherr ist in seinen jungen Jahren selbst geflogen, bis seine Frau dann massiv protestiert hat. So scheinen schon viele Fliegerlaufbahnen geendet zu haben.

Abends geh ich nochmal ins Hotel Alpenrose zum essen. Die Wirtin lädt mich schliesslich zum Stammtisch ein. Ich bin aber so fertig durch den Flug und den langen Tag (bin schliesslich schon seit 3 Uhr morgens auf den Beinen), das ich mich nach einem Jägermeister verabschiede. Ich verspreche, am Di. zusammen mit Franz wieder zu kommen, was allerdings nix wird.
Ap(c)o-Franz ruft am nä. morgen an. Er will sich mit mir am Neunerköpfle treffen. Laut meinen Wirtsleuten sind es etwa 1 1/2 Stunden bis nach Tannheim, also mache ich mich gegen halb zehn auf den Weg durchs Lechtal. Die Tour kenne ich schon, da ich schonmal bis Warth gefahren bin von Tannheim aus, da damals das Wetter schlecht war.

Wir treffen uns um 11 Uhr in Tannheim und fahren dann auch gleich auf den Berg. Im Tal geht bereits ein recht kräftiger Wind und im Westen sieht man schon, wie es sich eintrübt. Die angekündigte Kaltfront kommt. Sollte eigentlich erst am Mi. kommen. Aber da war wohl das Wetter wieder mal schneller als der Wetterbericht.

rechts an über den steilen Felsen wird rausgestartet Oben ist der Wind noch normal. Wir starten also recht bald raus und ich kann mich diesmal 2 1/2 Std. am Berg halten. Der Wind bietet immer wieder gute Möglichkeiten, wie im Fahrstuhl nach oben zu schießen und gut Höhe zu machen. Teilweise habe ich 5,2m/s steigen. Leider aber auch immer wieder grosses sinken. Nach einiger Zeit habe ich aber ein paar Stellen, an denen es immer wieder hinauf geht, zum Beispiel über der Bergstation. Allerdings sollte man schon etwas Höhe haben, denn wenn man dort durchsackt, dann hängt man schnell im Lift oder rechts im Lee.

Nach einigem rumspielen am Berg habe ich dann endlich meine Startüberhöhung und sehe das Gipfelkreuz endich mal von oben. Neben dem Gipfelkreuz geht es teilweise auch brachial nach oben, allerdings muss man aufpassen, das man nicht gegen die Felsen gedrückt wird. Das ganze wird mir nachher ein bischen zu heikel und ich fliege Richtung Tal. Aber selbst über dem Hang bekomme ich immer wieder schöne Heber. Man könnte hier wohl noch stundenlang weiter fliegen. Aber mir werden langsam die Arme schlaff, hätte vorher vielleicht doch mal ein paar Tage lange Liegestütze machen sollen, damit die Kondition da ist :) und die Kaltfront zieht langsam von Westen an das Tal heran.

Blick auf die Bergwelt am Gipfel, ganz links ein Stück der Drachenflieger Rampe Einige sind vom Berg direkt ins Tal geflogen und stehen nun im starken Talwind. Ich fliege vom Berg weg Richtung Tannheim, wie ich es in der Flugschule gelernt habe. Mein Fluglehrer wäre stolz auf mich gewesen. Im Tal dann perfekte Landung. Naja, fast perfekt :) Am späten Nachmittag fliegen dann noch ein paar Einheimische. Ich will auch nochmal, aber ich wurde aus meinem Auto ausgesperrt, weil der Ap(c)o-Franz meinen Autoschlüssel mitgenommen hat :( Als er endlich wieder da ist, gehts heim nach Schoppernau. Dort scheint die Sonne und von einer Kaltfront ist weit und breit nichts zu sehen. Schon toll, so ein Wetterbericht :)

Am letzten Tag dann wieder schönstes Wetter, im Westen allerdings sieht man schon leichte Eintrübungen. Die Kaltfront wird also kommen, auch hier. Aber ich meine, ein Flüglein geht noch. Also rauf auf den Berg. Am Lift in der Bergstation sagen mir die Mitarbeiter schon, das der Wind sehr heftig geht, wahrscheinlich so um die 20-25kmh. Ich trinke erst mal ne Apfelschorle und schaue mir eine Weile die Dohlen an, die vorm Geländer der Bergstation im Aufwind herumtollen. Solche Flügel bräuchte man, so wendig und klein. Ich treffe einen Schweizer, der mit dem Wohnmobil am Parkplatz heute stand. Er erzähl mir, das er lieber an die Mittelstation geht, dort soll man auch starten können. Ich will mal probieren, ob ich von oben weg komme. Wenns nicht geht, will ich nachkommen. Ich stapfe also herunter und der Wind ist recht kräftig. Als ich am Startplatz bin, überlege ich lange, ob ich den Schirm rausholen soll oder nicht. Ich tue es dann doch und es kommt, wie ich es dachte.

oberhalb des Schneeflugs sieht man die Drachenrampen Der Wind lässt mir keine Zeit, den Schirm auszulegen und mich einzuklinken. Er packt ihn sofort und zerrt ihn in alle Richtungen. Ich kämpfe eine Weile rum, aber es hat keinen Sinn. Selbst wenn ich in die Luft komme, das ist mir einfach zu heftig. Einmal falsch oder zu langsam, dann hauts mich vieleicht in den Lift hinter mir. Nix da, man muss auch einpacken können :) Ich fahre also zur Mittelstation. Der Schweizer ist nicht zu sehen. Ich warte eine Weile und frage dann eine der Mitarbeiterinnen, wo man hier starten kann und ob das überhaupt erlaubt ist. Sie zeigt mir die Stelle und ich überlege, ob ich den steilen Hang hinunter gehen soll. Falls es nicht geht, muss ich ja wieder hinauf :(

Ich gehe trotzdem. Ich will meinen Flug :) Der Wind ist hier unten etwas ruhiger, aber immer noch recht stramm. Die Startfläche liegt direkt unterhalb der Terrasse. Auf der rechten Seite machen mir die Bäume ein wenig Sorgen, da sie recht dicht dabei stehen. Ich muss also gut aufpassen, wie ich rausstarte, keine Schlenker, zum Bsp. durch verfrühtes hinsetzen riskieren. Ich starte. Der Schirm treibt leicht Richtung Bäume. Ich korrigiere, immer noch nur in den Gurten hängend und komme gut raus. Geschafft. Problem ist jetzt nur, das ich ab einer gewissen Entfernung vom Hang keinen Meter mehr vorwärts fliege. Den Beschleuniger hab ich nicht dabei. Der Talwind ist so stark, das er meine Vorwärtsfahrt praktisch aufhebt. Wie war das mit dem fliegen vor Kaltfronten ??? :-(

Blick vom Startplatz auf die Drachenfliegerrampe Nunja, ich könnte ja im Notfall am Hang landen. Aber diese Vorstellung ist mir irgendwie suspekt. Ich baue erstmal Höhe auf, um vom Lift weg zu kommen. Im Aufwind geht das auch prima, ich kann in kurzer Zeit auf die Terrasse der Mittelstation schauen und einige Zeit später bin ich auf gleicher Höhe mit dem Gipfelkreuz. Schon toll, so im Hangaufwind. Wie komme ich nun aber ins Tal ? Gestern bin ich hinter dem rechten Grat schön abgesoffen, ich probiere es nochmal, taste mich langsam ans Lee heran. Liebe Anfänger, Beginner, bitte lasst es. Tut es nicht. Im Lee ists ned schee. Ganz und garnicht. Die Luft wurde turbulent, es ging rauf und runter wie in der Achterbahn, der Schirm hat des öfteren stark geraschelt, als wäre er kurz vorm einklappen. Ich liebe zwar die Achterbahn, aber das ist dort alles kontrolliert, während ich hier eins, zwei, fix mal ein paar huntert Meter tiefer liegen könnte.

Ich fliege also wieder zurück zur Mittelstation und stelle mich in den Talwind. Es geht gaaaaaaanz langsam voran. Nach ca. 30 Minuten, einem halbseitigen Einklapper und viel Nerven habe ich es endlich geschafft und bin weg vom Berg. Hätte der Wind stärker geblasen, hätte ich wohl oder übel versuchen müssen, oben einzulanden. Das kann aber bei starkem Wind auch schnell unkontrolliert enden, da man bei der Landung den Schirm schnellstmöglich aus dem Wind bringen muss. Ich habe auf der Wiese schon Probleme gehabt, bei starkem Wind den Schirm zu kontrollieren. Wie sieht das erst in steilem Gelände aus Blick vom Landeplatz zur Talstation (hinter den Häusern in der Mitte) Etwas geholfen hat das achtern gegen den Wind, also immer wieder leichte Achten gegen den Wind drehen. Allerdings aufpassen, das es einen nicht zu weit nach hinten versetzt, also flache Kurven drehen, sprich in die Kurve legen und wenig Steuerleine ziehen und ein wenig gegenbremsen.

Endlich komme ich unten an. Der Wind dreht ständig, ich habe einige Mühe, eine halbwegs vernünftige Landung hinzulegen. Das war fürs erste mein letzter Kaltfrontflug, würde ich jetzt mal so sagen. Dann, ca. 1 1/2 Std. später, gings nach Hause. Bei Andelsbuch, keine 15Minuten zu fahren, dann schon wolkenbruchartiger Regen, starker Wind und tief schwarze Wolken.

Was sagt uns das ? Hört auf den Fluglehrer, fliegt nicht vor der Kaltfront. Es macht zwar Spass, da der Wind recht kräftig ist. Aber man muss wissen, wann Schluss ist. Wetterkenntnisse sind dabei von grossem Vorteil. Werd noch einiges lernen müssen. Allerdings hat mir der Tag in Tannheim auch viel gebracht, da ich im Handling mit dem Schirm immer aktiver geworden bin, also auch mal die Bremsen richtig runtergezogen, wenn ich in einen Aufwind Bart reingedreht habe. Und wenns dann mit 5m/s aufwärts geht ... das ist schon genial.

gelandet und eingepackt


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